Materialkunde und Gütesiegel für Motorikspielzeug
Motorikspielzeug wie Steckwürfel, Fädelspiele oder Stapeltürme soll Kinder zum Greifen, Sortieren und Balancieren anregen. Beim Kauf entscheiden neben der Spielidee auch Material und Kennzeichnung, ob das Spielzeug sicher und langlebig ist. Sie müssen kein Materialexperte sein. Ein paar gezielte Blicke und Handgriffe genügen, um die gängigen Siegel in wenigen Minuten zu durchschauen.
Materialien mit den Sinnen prüfen
Die Verbraucherzentralen empfehlen: Prüfen Sie Spielzeug vor dem Kauf mit allen Sinnen. Konkret heißt das: Schauen Sie sich das Spielzeug genau an, riechen Sie daran und fassen Sie es an. Sichtbare Mängel wie scharfe Kanten, lose Teile oder abblätternde Farbe sind Warnsignale. Ein unangenehmer, chemischer Geruch deutet darauf hin, dass der Hersteller die Qualitätsstandards für Kinderspielzeug möglicherweise nicht einhält. Auch eine raue oder klebrige Oberfläche sollten Sie kritisch sehen.
Bei Motorikspielzeug aus Holz achten Sie auf sauber verarbeitete Kanten und eine geschlossene Oberfläche. Risse im Holz können Splittergefahr bedeuten. Bei Kunststoffteilen zählt, dass sie stabil verbaut sind und keine scharfen Gratkanten aufweisen. Textile Teile wie Bänder oder Schlaufen sollten fest vernäht sein, damit keine Fasern herausgezogen werden können.
Der Geruchstest ist besonders bei günstigen Kunststoffprodukten aufschlussreich. Wenn das Spielzeug schon in der Verpackung stark riecht, wird der Geruch auch nach dem Auspacken nicht vollständig verschwinden. Ein neutraler oder holziger Geruch ist dagegen ein gutes Zeichen.
GS- und CE-Zeichen unterscheiden
Das GS-Zeichen für geprüfte Sicherheit ist das aussagekräftigste Siegel, das Sie bei Spielzeug finden können. Unabhängige Prüfstellen vergeben es und bestätigen, dass das Spielzeug die gesetzlichen Sicherheits- und Schadstoffanforderungen erfüllt. Hersteller müssen sich dafür regelmäßig kontrollieren lassen. Wenn Sie die Wahl haben, greifen Sie zu Produkten mit GS-Zeichen.
Das CE-Zeichen ist dagegen kein Prüfzeichen. Der Hersteller erklärt damit, dass das Produkt den EU-Anforderungen entspricht. Eine unabhängige Kontrolle findet nicht statt. Jedes Spielzeug, das in der EU verkauft wird, muss das CE-Zeichen tragen. Es sagt aber nichts darüber aus, ob das Produkt tatsächlich sicher ist. Verlassen Sie sich also nicht auf das CE-Zeichen als Qualitätsmerkmal.
Neben GS und CE gibt es weitere Kennzeichnungen wie das TÜV-Siegel oder das Spielgut-Siegel. Auch diese vergeben Prüfstellen, aber das GS-Zeichen ist das einzige gesetzlich verankerte Sicherheitszeichen in Deutschland. Bei allen anderen Siegeln lohnt ein Blick darauf, wer die Prüfung durchgeführt hat und was genau geprüft wurde.
Kleinteile mit dem Prüfzylinder testen
Bei Motorikspielzeug für Kinder unter drei Jahren sind Kleinteile die größte Gefahr, weil sie sich lösen und verschluckt werden können. Die zertifizierte Spielzeugsicherheits-Expertin Nadja Lüders, Vorstandsmitglied von "Wir machen Spielzeug e.V.", empfiehlt Eltern einen einfachen Test: Ein Prüfzylinder für etwa zwei Euro simuliert die Größe des Rachenraums eines Kleinkindes. Passt ein Teil vollständig in den Zylinder, ist es für Kleinkinder ungeeignet.
Sie können den Test auch ohne Zylinder durchführen. Verwenden Sie eine leere Toilettenpapierrolle. Die Öffnung hat einen ähnlichen Durchmesser. Verschwindet ein Teil komplett in der Rolle, besteht Erstickungsgefahr. Dieser Test gilt für alle Spielzeuge, auch für solche für ältere Kinder, wenn jüngere Geschwister mitspielen.
Achten Sie beim Kauf auch darauf, ob Kleinteile fest mit dem Spielzeug verbunden sind. Bei Motorikspielzeug mit beweglichen Elementen wie Rädern, Kugeln oder Schiebern sollten diese nicht ohne Werkzeug abnehmbar sein. Ziehen Sie im Laden ruhig einmal kräftig an den Teilen. Wenn sich etwas löst, lassen Sie das Spielzeug stehen.
Altersangabe als Sicherheitshinweis
Viele Eltern glauben, dass Spielzeug im Handel ordentlich geprüft und sicher ist. Das ist nach Einschätzung der Expertin Nadja Lüders nicht immer der Fall. Die Kennzeichnungspflichten sind klar geregelt, aber die Kontrolle hängt davon ab, ob Hersteller ihre Produkte tatsächlich testen lassen. Gerade bei Marken ohne etabliertes Prüfverfahren sollten Sie genauer hinschauen.
Viele unterschätzen: Die Altersangabe auf der Verpackung ist eine Sicherheitsangabe, keine Empfehlung. Die Altersangabe bedeutet nicht, dass das Spielzeug für Kinder in diesem Alter besonders förderlich ist, sondern dass es für jüngere Kinder gefährlich sein kann. Halten Sie sich strikt an diese Angaben, auch wenn das Spielzeug auf den ersten Blick harmlos wirkt.