Beim Spielzeugkauf fürs Baby stellt sich die Materialfrage: Holz, Stoff oder Kunststoff? Keines der drei ist automatisch sicherer oder schadstofffreier als die anderen. Stiftung Warentest fand in allen Materialgruppen empfehlenswerte und mangelhafte Produkte. Entscheidend ist das konkrete Produkt: Verarbeitung, Beschichtungen, Anbauteile und die Altersangabe des Herstellers.
Massivholz ist die beste Wahl
Die Verbraucherzentrale empfiehlt für Babyspielzeug unbehandeltes Voll- oder Massivholz. Der wichtigste Unterschied beim Kauf: Massivholz besteht aus einem Stück Holz, Holzwerkstoffe wie Sperrholz oder Pressspan aus verleimten Schichten. Bei Holzwerkstoffen können Formaldehyd-Emissionen auftreten, die in Tests wiederholt Probleme verursachten. Im Holzspielzeug-Test von Stiftung Warentest 2023 fanden sich in Lacken, Sperrholz oder Textilien Schadstoffe wie PAK oder Formaldehyd. Zehn der 15 geprüften Produkte waren unauffällig, vier wurden wegen Schadstoffen mit mangelhaft bewertet.
Achten Sie bei bunt lackiertem Holz auf die Verarbeitung. Lacke und Farben müssen der Norm DIN EN 71-3 entsprechen. Diese Norm legt Grenzwerte für die Abgabe bestimmter Schwermetalle fest. Prüfen Sie die Oberfläche auf Risse, Splitter und ablösbare Teile. Kleine Holzteile, die sich lösen können, sind gefährlich, weil Babys sie verschlucken oder einatmen können.
Im Alltag ist Holz robust und langlebig, wenn es gut verarbeitet ist. Es fühlt sich angenehm an und hat ein natürliches Gewicht, das Babys beim Greifen und Halten fordert. Holz ist aber nicht automatisch umweltfreundlich: Das FSC-Siegel zeigt, ob das Holz aus nachhaltig bewirtschafteten Wäldern stammt. Es sagt aber nichts über die Sicherheit des Spielzeugs aus.
Stoff und Plüsch: Details entscheiden
Bei Stoffspielzeug kommt es weniger auf den Stoff selbst an als auf alles, was daran befestigt ist. Im Plüschtier-Test von Stiftung Warentest 2020 waren die großen Stoffflächen meist unauffällig, aber bei mehreren Produkten gab es Sicherheitsmängel an Zusatzmaterialien wie Filz, Etiketten oder lösbaren Kleinteilen. Von 22 geprüften Produkten wurden nur elf empfohlen.
Achten Sie bei Stofftieren besonders auf Augen, Nasen, Knöpfe und Perlen. Diese müssen so fest angenäht sein, dass ein Baby sie nicht herausziehen kann. Prüfen Sie die Nähte regelmäßig auf Schäden, denn mit der Zeit können sich Fäden lösen und Teile lockern. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit empfiehlt außerdem, auf Fusseln zu achten, die Babys in den Mund bekommen könnten.
Ein praktischer Vorteil von Stoffspielzeug ist die Waschbarkeit. Viele Plüschtiere können in der Maschine gewaschen werden. Das ist bei Babyspielzeug wichtig, weil es häufig in den Mund genommen wird. Maßgeblich sind die Pflegehinweise des konkreten Produkts. Waschen Sie Stoffspielzeug vor dem ersten Gebrauch, wenn der Hersteller es erlaubt. Das GOTS-Siegel gibt eine Orientierung für schadstoffarmes Stoffspielzeug mit Fasern aus Bio-Anbau, ersetzt aber keine Prüfung der mechanischen Sicherheit.
Kunststoff: Die Kunststoffart entscheidet
Die Angabe „Kunststoff" ist zu ungenau, um darauf eine Kaufentscheidung zu stützen. Die Verbraucherzentrale rät, weiches PVC zu vermeiden, weil es Weichmacher enthalten kann. Kunststoffarten wie PE, PP und ABS kommen ohne zugesetzte Weichmacher aus und gelten als unproblematischer. Allerdings sind Hersteller nicht gesetzlich verpflichtet, die Kunststoffart am Spielzeug anzugeben. Wenn die Angabe fehlt, fragen Sie beim Händler oder Hersteller nach.
Die Verbraucherzentrale empfiehlt, älteres Spielzeug aus weichem Kunststoff nicht gebraucht zu kaufen. Bei neuen Produkten prüfen Sie auf Risse, lose Teile und auffällige Gerüche. Ein starker chemischer Geruch kann auf problematische Inhaltsstoffe hinweisen, auch wenn man Schadstoffe einem Produkt nicht zuverlässig ansieht oder riecht.
Im Alltag hat Kunststoff einen klaren Vorteil: Er lässt sich leicht abwischen und ist oft wasserfest. Das macht ihn für Badespielzeug und Spielzeug für unterwegs praktisch. Hartplastik ist robust, kann aber bei unsachgemäßer Verarbeitung scharfe Kanten haben. Achten Sie darauf, dass keine Kleinteile abbrechen können.
Sicherheitskriterien für jedes Material
Die wichtigsten Sicherheitskriterien gelten für alle Materialien gleichermaßen. Das Spielzeug muss zum Alter und Entwicklungsstand des Kindes passen. Die Altersangabe des Herstellers ist dabei die erste Orientierung, denn sie berücksichtigt, welche Teile ein Kind in diesem Alter verschlucken oder einatmen könnte. Spielzeug mit kleinen Teilen gehört nicht in Babys Hände, egal aus welchem Material es besteht.
Lesen Sie die Kennzeichnungen richtig. Die CE-Kennzeichnung ist eine Herstellererklärung, dass das Spielzeug den EU-Sicherheitsstandards entspricht. Sie ist keine unabhängige Prüfung. Das GS-Zeichen wird dagegen von einer unabhängigen Prüfstelle vergeben und hat damit mehr Gewicht. Beide Zeichen sagen nichts über die Herkunft von Holz oder die Schadstofffreiheit von Textilien aus, dafür gibt es FSC und GOTS.
Hängen Sie Spielzeug nicht an Kordeln oder Ketten über Kinderbett oder Kinderwagen. Das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit warnt vor Strangulationsgefahr. Das gilt besonders für Greiflinge und Wagenketten, die oft an Bett und Wagen befestigt werden.
Seit Januar 2026 gilt eine neue EU-Spielzeugsicherheitsverordnung mit zusätzlichen Chemikalienbeschränkungen und einem digitalen Produktpass. Die Übergangsfrist beträgt viereinhalb Jahre, neue Anforderungen gelten also nicht sofort für alle Produkte im Handel. Für den Kauf bedeutet das: Prüfen Sie das konkrete Produkt und verlassen Sie sich nicht allein auf das Datum.