Lernspiele für Kinder nach Alter auswählen
Beim Kauf von Lernspielen entscheidet nicht der Aufdruck auf der Verpackung, sondern das Alter und der Entwicklungsstand des Kindes. Lernspiele fordern Kinder beim Spielen: Sie trainieren Motorik, Denken, Sprache oder Kreativität, ohne dass das Kind merkt, dass es lernt. Kinder lernen durch Spielen. Sie spielen, weil es ihnen Freude macht, nicht weil ein Lernziel dahintersteht.
Deshalb sollten Sie vor dem Kauf wissen, welche Spielformen zum Alter passen und woran Sie erkennen, ob ein Spielzeug Ihr Kind wirklich beschäftigt.
Spielen und Lernen gehören zusammen
Für Säuglinge, Kleinkinder und Vorschulkinder sind Spielen und Lernen nicht voneinander zu trennen. Das Spiel gilt in der Entwicklungspsychologie und Pädagogik als die Arbeit des Kindes: Das Kind probiert aus, wiederholt Handlungen, macht Erfahrungen und verarbeitet, was es sieht und hört. Dabei spielt das Kind nicht, um ein bestimmtes Ergebnis zu erreichen. Das Spiel ist zweckfrei. Das Kind spielt um des Spielens willen. Genau diese Zweckfreiheit macht das Lernen wirksam, weil das Kind aus eigenem Antrieb handelt und sich intensiv mit dem Material beschäftigt.
Für die emotionale, soziale und kognitive Entwicklung ist dieses freie Spiel wichtig. Ein Kind, das baut, sortiert, rollt oder nachahmt, übt dabei immer mehrere Fähigkeiten gleichzeitig: Es trainiert die Hand-Auge-Koordination, lernt Ursache und Wirkung kennen, entwickelt Ausdauer und übt den Umgang mit anderen Kindern.
Woran Sie das passende Spielzeug erkennen
Damit ein Spielzeug fördert, braucht es die richtige Umgebung und das richtige Material. Eltern und pädagogische Fachkräfte sollten eine Umgebung schaffen, in der das Kind altersgerecht spielen kann, und Material anbieten, das es möglichst selbstständig nutzen kann. Gute Lernspiele fordern das Kind kognitiv, motorisch oder kreativ und passen zu seinem Entwicklungsstand. Ist das Spielzeug zu schwer, frustriert es das Kind. Ist es zu leicht, langweilt es sich.
Kinder entwickeln sich unterschiedlich schnell. Deshalb gibt es keine feste Liste, die für alle gilt. Orientieren Sie sich am Interesse und am Entwicklungsstand Ihres Kindes und beobachten Sie es beim Spielen. Ein Kind zeigt Ihnen beim Spielen, ob ein Material passt: Beschäftigt es sich längere Zeit damit, probiert es verschiedene Dinge aus und kommt es von selbst darauf zurück, dann ist die Wahl richtig.
Haushaltsgegenstände für Ein- bis Dreijährige
Für Kinder zwischen einem und drei Jahren sind gekaufte Spielzeuge oft weniger interessant als alltägliche Gegenstände aus dem Haushalt. Diese Dinge sind neu, ungewohnt und vielfältig nutzbar. Bewährte Materialien sind zum Beispiel:
- Behälter mit Inhalt, die sich befüllen und ausleeren lassen
- Becher, Töpfe und Plastikschalen zum Stapeln und Umfüllen
- Rührlöffel und Schneebesen
- Flusenfreie Baumwolltücher zum Verstecken und Ziehen
- Ein großer Karton, der sich in ein Haus, ein Auto oder eine Höhle verwandelt
- Eine Fahrradklingel und eine Küchenuhr
Mit diesen Gegenständen übt das Kind das Greifen und Loslassen, versteht, dass Dinge hinein- und herauspassen, und entdeckt Geräusche und Bewegungen. Ein großer Karton ersetzt kein teures Spielzeug. Er ist oft das bessere Material, weil das Kind selbst entscheidet, was daraus wird.
Was Fröbel und Montessori bis heute bedeuten
Die Idee, dass Spielen Lernen ist, hat eine lange Tradition. Friedrich Fröbel, der den Kindergarten begründete, und Maria Montessori betonten das Spiel als wichtigen Bestandteil der Kindheit. Beide entwickelten Materialien, die Kinder selbstständig entdecken sollten, und legten Wert darauf, dass das Kind sein eigenes Tempo bestimmt.
Auch heutige Ansätze wie die Reggio-Pädagogik und der Situationsansatz setzen auf die pädagogische Begleitung des Spiels. In den Bildungsprogrammen der deutschen Bundesländer ist das Spielen explizit oder implizit mit dem Lernen verbunden. Für die Auswahl von Lernspielen bedeutet das: Ein gutes Spielzeug muss nicht erklären, was das Kind lernen soll. Es reicht, wenn es zum Ausprobieren einlädt und das Kind fordert, ohne es zu überfordern.
So treffen Sie die richtige Wahl
Wenn Sie ein Lernspiel auswählen, ob im Laden oder online, prüfen Sie es anhand weniger Fragen:
- Passt das Material zum Alter und zum Entwicklungsstand des Kindes?
- Kann das Kind das Spielzeug weitgehend selbstständig nutzen?
- Fordert es Motorik, Denken, Sprache oder Kreativität heraus?
- Lässt es mehrere Verwendungsmöglichkeiten zu, statt nur eine feste Funktion zu haben?
- Bleibt das Kind auch ohne Anleitung interessiert?
Altersangaben und Spielideen sind Anregungen, keine Vorschriften. Jedes Kind ist anders, und ein Spielzeug, das für das angegebene Alter empfohlen wird, kann für Ihr Kind zu früh oder zu spät kommen. Beobachten Sie, womit sich Ihr Kind beschäftigt, und wählen Sie danach aus. Wenn Sie online kaufen, lesen Sie die Beschreibung genau und achten Sie auf die Altersempfehlung. Sie haben das Spielzeug vor dem Kauf nicht in der Hand.