Holzspielzeug

Holzarten und Siegel: Schadstoffe in Holzspielzeug erkennen

Bei Holzspielzeug sagt die Holzart allein wenig über mögliche Schadstoffe aus. Auch Aufbau, Klebstoffe und Bindemittel sowie Farben und Lacke zählen. Deshalb lässt sich nicht pauschal sagen, Buche sei schadstoffärmer als Ahorn.

Unbehandeltes Massivholz ist eine sinnvolle Wahl. Es belegt für sich allein aber nicht, dass das Spielzeug sicher ist. Prüfen Sie, wofür die Kennzeichnungen stehen: Das CE-Zeichen bezieht sich auf die geltenden gesetzlichen Anforderungen, FSC und PEFC vor allem auf die Herkunft des Holzes. Bei bestimmten chemischen Prüfungen ist auch die Norm EN 71-3 wichtig.

Holzart oder Holzaufbau?

Buche, Ahorn und Birke stehen bei Holzspielzeug häufig für feste, gut bearbeitbare Hölzer. Das sagt aber nicht aus, welche dieser Holzarten weniger Schadstoffe enthält. Für die chemische Bewertung ist meist wichtiger, wie das Spielzeug aufgebaut ist: Ein Spielzeug aus einem Stück Massivholz enthält andere Materialien als ein Puzzle aus verleimtem Sperrholz oder ein lackiertes Holzfahrzeug.

Unbehandeltes Massivholz hat keine zusätzliche Lack- oder Farbschicht und ist deshalb eine sinnvolle Wahl. Achten Sie trotzdem auf alle Teile des Spielzeugs: Griffe, Verbindungen oder Dekorationen können aus anderen Materialien bestehen. Bei Sperrholz, MDF oder Spanplatte kommt es auch auf die Bindemittel an, also auf die Stoffe, die die Holzschichten oder -stücke zusammenhalten. Bei farbigem oder lackiertem Holz kommen die Beschichtungen hinzu.

Holzspielzeug kann robust und langlebig sein. Ob sich der höhere Kaufpreis lohnt, hängt davon ab, wie gut das Spielzeug verarbeitet und reparierbar ist und wie lange das Kind damit spielt. Ein schlichtes Steckspiel, das mehrere Jahre hält, bietet diesen Vorteil eher als ein Spielzeug mit vielen Kleinteilen, die sich leicht lösen. Für gebrauchtes Holzspielzeug prüfen Sie besonders auf Splitter, lockere Verbindungen und beschädigte Beschichtungen.

Formaldehyd in Holzwerkstoffen

Bei der Herstellung von Holzwerkstoffen wie Spanplatte, OSB, HDF, MDF und Sperrholz können formaldehydhaltige Harze verwendet werden. Für Spielzeugteile aus Holzwerkstoffen, die mit Harz gebunden sind, gilt in der EU ein Emissionsgrenzwert von 0,1 ml/m³. Die entsprechende Anforderung gilt seit dem 21. Mai 2021. Der Grenzwert gilt für diese Holzwerkstoffe, nicht pauschal für jede Holzart oder jedes Holzspielzeug.

Fragen Sie bei einem Produkt aus verleimtem Holz nach dem genauen Material und den Prüfungen, die dafür vorliegen. Die bloße Angabe „Holz“ beantwortet diese Fragen nicht. Umgekehrt ist Sperrholz nicht automatisch unsicher. Entscheidend sind das konkrete Produkt und die geltenden Anforderungen.

Was EN 71-3 prüft

Die Norm EN 71-3 behandelt die Migration bestimmter Elemente. „Migration“ bedeutet, dass geprüft wird, wie viel von diesen Elementen aus dem Spielzeugmaterial austreten kann. Die Norm unterscheidet unter anderem nach der Materialform. Sie berücksichtigt trockene oder staubförmige Materialien, flüssige oder haftende Materialien sowie abgeschabte Materialien. Geprüft werden zum Beispiel Blei, Arsen, Quecksilber und Nickel.

Eine Angabe zu EN 71-3 ist besonders hilfreich, wenn ein Spielzeug bemalt oder lackiert ist. Sie sagt aber nicht aus, dass sämtliche Teile auf alle denkbaren Schadstoffe geprüft wurden. Fragen Sie beim Hersteller deshalb genau nach: Welche Teile und Materialien wurden geprüft? Fragen Sie nach dem konkreten Prüfbereich, statt sich mit einer pauschalen Aussage wie „chemisch geprüft“ zufriedenzugeben.

Siegel richtig einordnen

Die Kennzeichnungen geben unterschiedliche Auskünfte. CE zeigt an, dass der Hersteller die geltenden EU-Anforderungen erfüllt sieht. FSC oder PEFC geben Orientierung zur Herkunft des Holzes. Ein Siegel für Spielwert oder ein freiwilliges Prüfzeichen ist wiederum nach seinen eigenen Kriterien zu beurteilen.

Kennzeichnung Wofür sie steht Was sie nicht belegt
CE Der Hersteller erklärt, dass das Spielzeug die geltenden EU-Anforderungen erfüllt. Keine unabhängige Prüfplakette und kein Nachweis der Freiheit von sämtlichen Schadstoffen.
GS – Geprüfte Sicherheit Eine unabhängige, dafür befugte Stelle vergibt das freiwillige Zeichen nach einer Prüfung. Kein pauschales Versprechen, dass alle denkbaren Schadstoffe ausgeschlossen sind. Prüfstelle und Produktbezug sollten nachvollziehbar sein.
FSC oder PEFC Orientierung zur Herkunft des Holzes und zu Anforderungen an die Waldwirtschaft. Kein Schadstofftest des fertigen Spielzeugs.
spiel gut Orientierung zu Spielwert und weiteren Kriterien wie Sicherheit, Haltbarkeit und Material. Kein vollständiger Schadstoffnachweis; gesundheitliche und ökologische Kriterien werden laut Verbraucherzentrale stichprobenartig kontrolliert.
Blauer Engel Kann bei ausgezeichnetem Holzspielzeug Anforderungen an Holzherkunft und bestimmte Stoffgruppen umfassen. Prüfen Sie, ob die konkrete Auszeichnung und ihre Vergabegrundlage für das Produkt aktuell gelten.

Mit dem CE-Zeichen erklärt der Hersteller im Rahmen der Konformitätsbewertung, dass das Spielzeug die geltenden Anforderungen erfüllt. Das bedeutet nicht automatisch, dass eine unabhängige Stelle jedes Spielzeug im Labor geprüft hat. Das GS-Zeichen wird dagegen von einer unabhängigen Prüfstelle vergeben. Auch dort sollte klar sein, welches Produkt geprüft wurde und welchen Umfang die Prüfung hatte.

Geruch und Verarbeitung prüfen

Ein auffälliger, stechender oder ungewöhnlicher Geruch ist ein Grund, das Spielzeug nicht zu kaufen oder es bei einem Onlinekauf zurückzusenden. Geruch ist kein chemischer Test: Ein geruchloses Spielzeug ist daher nicht nachweislich schadstofffrei, und welche Stoffe es enthält, lässt sich ohne Laboranalyse nicht zuverlässig feststellen.

Prüfen Sie außerdem, ob das Holz glatt geschliffen ist, Kanten scharf sind oder sich Teile lösen. Bei Babys und Kleinkindern müssen Altersempfehlung und Warnhinweise dem Alter des Kindes entsprechen. Kleine oder ablösbare Teile bergen ein Verschluckungsrisiko. Bei gebrauchten Stücken zählen neben dem Materialzustand auch Risse, Splitter und lockere Verbindungen.

Online gezielt nachfragen

Lesen Sie vor dem Kauf die Materialangaben und prüfen Sie, wer das Spielzeug tatsächlich verkauft. Bei einem Produkt aus Sperrholz oder einem anderen Holzwerkstoff fragen Sie nach dem genauen Material und nach Angaben zu Formaldehyd. Bei bemalten oder lackierten Flächen sagt eine konkrete Auskunft zur Prüfung nach EN 71-3 mehr aus als ein allgemeines Sicherheitsversprechen.

Kaufen Sie bei einem Anbieter, dessen Name und Sitz erkennbar sind, und bewahren Sie Produktbeschreibung und Bestellbestätigung auf. Für viele Onlinekäufe gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht; es gibt jedoch Ausnahmen. Prüfen Sie die Hinweise des Händlers. Nach der Lieferung können Sie das Spielzeug auf Geruch und Verarbeitungsmängel untersuchen. Wenn Sie einen Sicherheitsmangel feststellen, wenden Sie sich an den Verkäufer und nutzen Sie die vorgesehenen Reklamations- oder Rückgabemöglichkeiten.